Die Saison ist vorbei und Weihnachten steht vor der Tür. Der richtige Moment, um mal wieder bei alten Bekannten anzurufen und nach dem Rechten zu hören. Wenn dann noch ein Geburtstag ansteht, ist das natürlich doppelt passend. Unser Redakteur Robert „don_boskau“ Lennecke hat sich mit unserem ehemaligen Teammate, Felix „fel1x“ Zech, anlässlich seines 30. Geburtstags getroffen und über sein Leben nach der CS-Karriere gesprochen.

don_boskau: Du hast Berzerk im Mai verlassen, um dich mehr auf dein Privatleben zu konzentrieren. Wo war fel1x die letzten sieben Monate? Was hat er getrieben?

fel1x: Richtig, ich wollte damals nicht mehr aktiv spielen, weil ich in meinem Job den nächsten Schritt zum Geschäftsführer machen will und das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Hinzu kam, dass ich Rücksicht auf meine damalige Freundin nehmen wollte. In den letzten sieben Monaten habe ich demnach sehr viel gearbeitet und da fehlt dann die Zeit für Gaming.

Darf man fragen, womit sich dein Betrieb beschäftigt?

Ich habe Industriemechatroniker gelernt und unser Betrieb hat sich auf die Reparatur von Maschinenspindeln spezialisiert. Wir sind ein kleiner Familienbetrieb, der sich auf den Generationenwechsel vorbereiten will. Meine Brüder und ich sollen in absehbarer Zukunft die Geschäfte leiten und die damit verbundenen Aufgaben lassen es nicht zu, dass man nebenbei noch professionell CS spielt.

Nun war 2017 ein Jahr, in dem sich der eSport stark entwickelt hat. Mittlerweile können viele Gamer auch gut davon Leben. Was war dein Gedankenprozess, der dich zur Entscheidung geführt hat, dem professionellen eSport den Rücken zu kehren?

Erstmal muss ich sagen, dass es immer mein Traum war, im Wettkampf-Bereich zu spielen und damit vielleicht auch Geld zu verdienen. Aber ich denke, dass ich es meiner Familie schuldig bin, unseren Familienbetrieb weiterzuführen. Versteh mich nicht falsch: Ich mache meine Arbeit gern und möchte das, was meine Eltern aufgebaut haben, einfach am Leben erhalten. Auch wenn man mit CS mittlerweile mehr Geld verdienen kann, war die Entscheidung für mich klar. Wäre es eine fremde Firma gewesen, hätte ich mich sicherlich anders entschieden und wäre bei CS geblieben. Aber das können meistens nur die Leute nachvollziehen, die auch selber in einem Familienbetrieb arbeiten. Das verbindet!

Gab es in der Zwischenzeit nochmal Möglichkeit für dich aktiv ins CS-Geschäft einzusteigen?

Kurz nachdem bei Berzerk Schluss war, hatte ich ein Angebot aus China. Die wollten mich Vollzeit in ein internationales Team nach China holen. „pipson“, ein russischer Spieler und zum damaligen Zeitpunkt Coach in China, kam auf mich zu und meinte, sie hätten gern noch einen europäischen Spieler im Line-Up. Dafür hätte ich dann nach Shanghai ziehen müssen. Sie haben mir 2000€ Festgehalt geboten und es gab auch eine Gaming-Wohnung. Das war aber eine kleine Hütte, wo man dann zu fünft im gleichen Zimmer hätte schlafen müssen. Das war mir dann ein bisschen zu krass.

Warum ist der Vertrag nicht zustande gekommen?

Ich muss ehrlich sagen, ich hatte schon Lust das zu machen. Aber zum einen sind 2000€, wenn man jetzt mal ganz ehrlich ist, auch nicht so wahnsinnig viel Geld, wenn man dafür sein ganzes Leben, Familie und Freunde aufgeben muss. Zum anderen hatte ich meine Verpflichtungen hier in Deutschland.

Wird es irgendwann nochmal ein Comeback geben?

Natürlich vermisse ich es Competetive zu spielen, aber so wie es aussieht werde ich nicht zurückkommen. Und es ist auch so, das unsere Firma gut läuft und es keinen Grund für mich gibt, darüber nachzudenken. Ich habe hier meine Aufgabe und das ist gut so.

Du wirkst, als hättest Du deinen Abschied aus der eSport-Szene gut durchdacht und verarbeitet. Wie fühlt es sich an, wenn Du jetzt auf deine Karriere zurückblickst?

Ich bin sehr zufrieden mit meiner Karriere. Ich habe unendlich viele Freunde kennengelernt, die auch wirkliche Freunde sind. Mit SolEk habe ich immer noch Kontakt und auch mit anderen Spielern treffe ich mich hin und wieder.

Als Spieler habe ich die meiste Zeit auf Topniveau in Deutschland gespielt und war mit PENTA sogar auf dem Major. Ich habe alles erreicht, was ich erreichen wollte und kann erhobenen Hauptes dieses Kapitel schließen – auch wenn kein Majortitel dabei war. Aber man kann nicht alles haben. (lacht)

Kommen wir zur aktuellen Lage im deutschen CS. Verfolgst Du noch was so passiert?

Ja ja, ich bin jeden Tag auf 99 Damage und HLTV unterwegs. Ich gucke Matches, wenn ich abends Zeit habe. Ich verfolge die Entwicklung und sehe, wie alles wächst. Es freut mich wirklich, dass CS so groß geworden ist und die Spieler damit endlich Geld verdienen können. Damals bei aTTaX haben SolEk, kRystal und ich immer davon geträumt, dass es mal so weit kommt. Als eSport-Enthusiats ist es wirklich toll zu sehen, wie sich das Alles entwickelt hat.

Die Talentförderung und Weiterentwicklung war in 2017 ein großes Thema im deutschen CS. Wo siehst du die deutschen Teams im internationalen Vergleich?

Wenn ich ehrlich bin, hat sich da nicht so viel getan. Wir haben natürlich BIG, die etwas Aufsehen erregen, aber im Großen und Ganzen ist da keine Weiterentwicklung zu erkennen. Crisby hat es vor Kurzem in einem Interview mal angesprochen, dass sich junge Talente nur selten etwas von den erfahrenen Spielern sagen lassen. Das ist eine Erfahrung, die ich teile. Bei aTTaX hatten wir auch häufiger Nachwuchsspieler, die dachten, sie sind es und müssen auf Niemanden hören.

Aber es ist schon auffällig, dass in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern ziemlich wenig Talente nachkommen. Wenn man mal nach Schweden schaut, da kommen jedes Jahr richtig junge Spieler nach. GODSENT hat gerade „Brollan“ unter Vertrag genommen, der 15 ist. So was sieht man in Deutschland nicht. Da hat man das Gefühl, dass immer die selben Spieler in den Topteams sind.

Was war die wichtigste Eigenschaft, die es Dir ermöglicht hat solange dabeizubleiben?

Der Spaß am Spiel und mein Ehrgeiz. Ich wollte immer der beste Spieler sein und alles gewinnen. Das ist wichtig, um dranzubleiben.

Hattest Du Momente, in denen Du hinschmeißen wolltest und es nicht voranging?

Ja, das hatte ich sogar öfter. Ich habe einige Male zu mir gesagt „Jetzt hörst du auf. Das bringt hier nichts mehr.“ Dann kam aber immer Jemand, der mich aus diesem Loch gezogen hat. Da waren dann Freundschaften, wie zu SolEk, sehr wichtig. Wenn man mal unten war, waren da meine Freundin, Familie oder eben SolEk, der einem gesagt hat „Du bist doch krass. Kopf hoch!“

Freunde und Familie sind super wichtig, wenn man für eine Sache lebt. Meine Eltern waren am Anfang skeptisch, warum ich nur vor dem PC sitze und zocke. Aber als sie gesehen haben, dass ich rumkomme, viele Leute kennenlerne und es mir Spaß macht, haben sie sich für mich gefreut. Wenn es so ist, läuft auch alles viel besser. Deshalb ist es sehr wichtig, dass man ein stabiles soziales Umfeld hat, was einen unterstützt.

Was war der größte Moment in deiner CS-Karriere?

Das Erreichen des Major Viertelfinales mit PENTA war schon krass. Aber als wir damals zu Source-Zeiten in Kopenhagen den zweiten Platz gemacht haben, das war mein ganz persönliches Highlight. Es war das größte CS:Source-Event des Jahres und davor hieß es immer „aTTaX, das sind nur Onliner.“ und dann haben wir alles rasiert. Wir waren fünf Freunde, die zusammen spielten und wir haben bewiesen, dass man als deutsches Line-Up auch international was reißen kann.

Es drängen immer wieder neue eSport-Titel auf den Markt. Denkst Du, dass CS seinen Stellenwert verlieren wird?

Das sehe ich nicht. Ich denke, dass es nur gut sein kann, wenn sich der eSport weiterentwickelt und mit neuen Titeln auch neue Leute für die Szene begeistert werden. Dass CS dadurch schrumpft, halte ich für unwahrscheinlich. Konkurrenz belebt immerhin den Markt. VALVe macht ja auch viel, um CS zu verbessern. Natürlich, sind einige Updates auch überflüssig, aber es lässt sich nicht alles sofort fixen. Ich finde das Spiel, so wie es ist im Moment ist, auch recht gut.

Was würdest du an CS:GO ändern?

Grundsätzlich ist CS:GO schon ein sehr gutes Spiel geworden. Wenn ich mir etwas aussuchen könnte, würde ich der M4A1-S mehr Munition geben. So wie früher: 30 Schuss im Magazin wären schon gut. Die Deagle würde ich unter Umständen ein wenig genauer machen.

Was steht für Dich im kommenden Jahr an?

Die neuen Aufgaben auf der Arbeit möchte ich gut meistern und so viel Urlaub wie möglich machen. Ich habe schon mal geguckt und für den nächsten Urlaub Aruba in der Karibik ins Auge gefasst. Es gibt aber noch 1000 andere Orte auf der Welt, die ich unbedingt mal sehen möchte.

Wie sieht es mit Vorschlägen für einen neuen Fünften für Berzerk aus? Der beste Zeitpunkt Dich selber noch mal ins Gespräch zu bringen.

Natürlich, fel1x muss man picken. Ganz klar!

Nein, dazu kann ich nichts sagen. Ich bin auch nicht nah genug an der Szene, um zu sagen, wer frei ist und auch charakterlich ins Team passt. Die Jungs werden da eine gute Entscheidung treffen.

Die Bühne gehört Dir!

Ich möchte vor allem SolEk und die gesamte Berzerk-Crew grüßen. Ich hoffe, dass es in 2018 wieder etwas besser läuft. 2017 war geprägt durch viele Wechsel, was nie gut ist. Ich wünsche den Jungs, dass sie ein stabiles Line-Up zusammenbekommen und dann erfolgreich sind. Ansonsten wünsche ich allen eine besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Den wünschen wir dir auch Felix und bedanken uns für ein interessantes Gespräch! Wer wissen will, was f3l1x so treibt, kann seinem Twitter und Facebook folgen.